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#BoykottMulan

Unter dem Aufruf #BoycottMulan entsteht seit Mitte des Jahres eine Bewegung gegen das scheinbar harmlose Remake des 1998 von Disney produzierten Films "Mulan". Auch wenn der Trubel sich bereits etwas zu legen scheint, verlangen die Probleme, die durch die Live-Action Verfilmung sichtbar wurden, noch deutlich länger unser aller Aufmerksamkeit.

Warum der Film nicht nur inhaltlich maßlos enttäuscht, sondern auch die Boykott Aufrufe überall auf der Welt mehr als berechtigt sind, analysieren unsere Autorinnen Paulina Schichor und Carlotta Schichor: ein Erklärungsversuch.


„Mulan“ ist ursprünglich eine seit dem 5. Jahrhundert übermittelte chinesische Ballade, welche zwar in unterschiedlichen Versionen festgehalten wurde, sich aber stets an das gleiche Grundgerüst hält. Mulan zieht für ihren alten Vater, verkleidet als Mann, in den Krieg, um diesen zu schützen. Nach einiger Zeit in der Armee wird ihr Geheimnis entdeckt und Mulan wird aus Gnade vor dem Tod bewahrt und verbannt. Am Ende rettet sie ehrenvoll und durch Intelligenz den Kaiser und darf zu ihrer Familie zurückkehren.


Auch die diesjährige Verfilmung hält sich an das Grundgerüst, hat jedoch grundlegende Details abgeändert. Was sofort auffällt, sind die scheinbar feministischen, aber tatsächlich davon weit entfernten inhaltlichen Differenzen.


Failed Empowerment

Der zunächst am deutlichsten ins Auge stechende Unterscheid ist der, dass Mulan jetzt eine Kraft besitzt, das sogenannte "Chi". Chi macht sie zu einer begnadeten Kämpferin, lange bevor sie Fuß in das Trainingslager setzt. Im Höhepunkt des Films ermöglicht diese Kraft ihr beispielsweise an Wänden hochzulaufen oder in der Luft kopfüber einen fliegenden Pfeil mit ihrer Fußspitze auf die Gegner richten zu können und ihn so zu treffen. In diesem Kampf öffnet sie ihren Haargummi und "offenbart" so ihr weibliches Geschlecht. Dies geschieht übrigens entgegen jeder historischen Logik, da Männer im 4. Jahrhundert in China alle lange Haare trugen und es als Schande galt, das abzuschneiden, was einem die Eltern zur Geburt schenkten. Sieht man davon ab, ist es auch sonst nicht gelungen, eine geschichtlich annähernd realistische Interpretation herzustellen. Dies ist schade, da die Filmcrew oft betont, eine historisch akkuratere, ernstere Version von Mulan präsentieren zu wollen, weswegen geliebte Charaktere wie „MuhShu“ und „Cricket“ oder der Oscar nominierte Disney Song „Reflection“ in dieser Verfilmung keinen Platz finden konnten, dafür aber ein fliegender Phönix, eine Hexe und eine Superkraft besitzende Mulan.


Vielleicht wurde die "Chi" Kraft hinzugedichtet im Zuge der amerikanischen Superhelden Film- Ära, in der sich durch die großen Blockbuster Produktionen von Marvel und DC ein normales Hocharbeiten ohne überdurchschnittliche, geheime Kräfte nicht mehr wegzudenken ist. Gerade Superheldenfilme leben von dieser Unnahbarkeit, sie handeln, wie nun auch hier, typischerweise von Krieger*innen, und dem Land, das es gilt zu beschützen.

Das selbstlose Ziel, für den Vater in den Krieg zu ziehen, um diesen zu retten wird durch das egoistische Ziel ersetzt, sich nicht länger verstecken zu müssen. Mulan wird somit von einer intelligenten Heldin durch altbekannte Twists und Abwandlungen zu einer stereotypischen Superheldin mit Kräften, aber einer flachen und geradezu langweiligen Persönlichkeit. Diese Wandlung wird von asiatischen Filmkritiker*innen stark kritisiert, auch weil es die Leichtigkeit, die Nähe und jegliche Identifikationsebene wegnimmt.


Denn so gut gemeint diese übermäßige Kraft von Mulan auch ist, und wie sehr die neuseeländische Regisseurin auch versucht hat, Mulan feministischer zu machen, so sehr schlägt dieser Versuch fehl. Denn mit Mulans übermenschlichen Chi Kräften entfernt die Regisseurin das feministische an dem Märchen: Das alte Mulan zeigte eine mutige Frau, die an der Seite der Männer zu Beginn genauso ungeschickt ist und dann lernt, zu kämpfen. Sie lernt, ebenso wie die anderen Soldaten, im Kampf zu gewinnen und ihren Kopf zu benutzen. Die Botschaft, die sich deswegen so drastisch von der diesjährigen Mulan unterscheidet: ‚Frauen sind genauso fähig wie Männer und können deswegen genauso gut kämpfen‘ vs. ‚Mulan ist eine besondere Frau, ein besonderer Einzelfall mit Superkräften, sie ist stärker als alle anderen und deswegen ist sie geeignet für den Kampf‘. Besonders betont wird diese Message im neuen Film durch die hinzugefügte kleine Schwester von Mulan: sie besitzt keine besonderen Kräfte, ist keine Auserwählte. Ihre Rolle im Film ist es zu heiraten, da ihr Leben ohne die Chi Kraft dies scheinbar so vorsieht.


Das Besondere an der Geschichte der Mulan war, dass es eine der wenigen ist, bei denen eine Frau durch Intelligenz, Mut und Ehrgeiz am Ende gewinnt. Nicht durch eine Superkraft. Vergleicht man alle Disney Protagonistinnen bis zu den 2000ern miteinander wird eines deutlich: viele bestimmen durch ihr Äußeres die Handlung und sind meist im Zentrum einer Liebesgeschichte. Mulan stach als Märchen deutlich heraus, da sie aus altruistischen Gründen handelt und weil sie das Land am Ende allein durch ihre Intelligenz und Ehrgeiz rettet und nicht in Form einer Liebesgeschichte verflucht wird. Dabei ist gerade dieses Erlernen auf der gleichen Stufe wie die Männer diejenige Basis, auf der Mulan zeigt, dass sie nicht besonders begabt sein muss, um den männlichen Soldaten im Kampf würdig zu sein.

Eine Neuverfilmung von Mulan kam zur rechten Zeit: Gerade in der Kultur, insbesondere in Filmen, wird der sog. Bechdel Test immer häufiger eingehalten: dieser besagt, dass in einem Film mindestens zwei Frauen vorkommen müssen, die beide einen Namen haben und nicht ausschließlich über einen anderen Mann sprechen. Gerade in solchen Zeiten ist ein Action Film über eine Kriegerin in der Hauptrolle mit großer Spannung erwartet worden, jedoch zu Ungunsten der Stärkung der Frauenrollen in Disneyfilmen ausgefallen.


Dass Mulan jetzt eine Superkraft hat, ja geradezu Wonder-Women-mäßig kämpfen kann, ist generell natürlich ein feministischer Ansatz: eine Frau in der Hauptrolle, die stark ist. Aber das kommt zu kurz, man kennt dies schon. Spannender und in dem Sinne "revolutionärer" wäre es gewesen, Mulan tatsächlich feministisch darzustellen und zwar dem Wortlaut entsprechend, also tatsächlich auf der gleichen Ebene wie die Männer und nicht auf einer höheren.


Scheinhafte Diversität

Mulan 2020 wurde für das chinesische Volk gedreht, ohne den aktuellen Zeitgeist der Chinesen miteinzubeziehen. So hält Mulan in der diesjährigen Adaption eine deutlich devotere Haltung inne als noch in der Zeichentrickvariante. Zwei Hauptbotschaften kristallisieren sich deutlich hervor: Ehre für die Familie und Ehre für China. Weniger rebellisch und individuell denkend wie die alte Mulan, ist sie sich ihres untergeordneten Platzes bewusst und akzeptiert diesen. Ihr größtes Ziel ist es, dasselbe Patriachat zu schützen und zu erhalten, dass in Frauen wie ihr den Hauptsinn in der Ehe sieht. Diese neue Variante der Sichtweise auf Mulan ist nicht nur der amerikanischen Identität fremd, auch die meisten Chinesen haben sich von einer das Kaiserreich dermaßen unterstützenden Ideologie längst verabschiedet (was aus Kritiken chinesischer Journalisten deutlich wird) .


Die neue Interpretation fokussiert sich sehr darauf, das Kaiserreich und das Patriachat und insbesondere Mulans Beziehung zu demselben positiv darzustellen, gerade so, als hätte die chinesische Regierung beim Drehbuch mitgeschrieben. Und das ist kein Zufall: vor Mulan 1998 war Disney für kurze Zeit in China komplett verbannt, nachdem Martin Scorsese den pro-tibetischen, der offiziellen Meinung der Regierung feindlichen Film „Kundun“ produzierte, welcher von Disneys Tochterfirma „Touch Stone Pictures“ veröffentlicht wurde. Da China einen riesigen Markt für Disney darstellt, entwarf die Geschäftsführung eine rettende Lösung. Mulan 1998 schmeichelte der Regierung: ein beinahe erstmals animierter Kinderfilm für den Westen und den Rest der Welt, der von einem chinesischen Märchen handelt- ein eher neues Konzept mit einer starken Chinesin als Vorbild für etliche Kinder. Mulan war sehr erfolgreich und kurze Zeit später war Disney von seinen Sanktionen wie durch ein Wunder befreit. Disney weiß seitdem: drehen sie einen Film, der der chinesischen Regierung missfällt, werden sie zensiert und verlieren einen immensen Markt an potentiellen Zuschauern. Dieses Wissen im Hinterkopf behaltend, begann die diesjährige Recherche für Mulan, um ein möglichst authentisches Produktionsdesign vorweisen zu können. Hierbei haben sich unterschiedliche Probleme eingeschlichen, die Mulan 2020 so unmodern, wenig authentisch und vor allem pseudoasiatisch wirken lassen:


Seit 1998 das letzte Mal Mulan von Disney produziert wurde, hat die Welt viel dazu gelernt. Jetzt, 22 Jahre später, dasselbe chinesische Märchen, eine Chinesin in China- kann man da nicht bescheiden ein wenig Diversität, insbesondere der Wunsch nach amerikanisch-asiatischen Filmemachern und deren intensive Teilnahme an dem Projekt erwarten? Die Entscheidungsträger*innen Hollywoods tun jedoch so, als gäbe es in Amerika keine asiatischen Amerikaner*innen, die Mulan kennen, ihr Heimatland verstehen und auch noch ausgezeichnete Kräfte in der Filmbranche darstellen. Stattdessen schützt sich Disney bei der Mulan Produktion wie mit einem pseudofeministischen politisch korrekt leuchtenden Schild mit der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro, die bei der teuersten Produktion jemals, bei der eine Frau Regisseurin war, drehen durfte. Keine der für den Film bedeutenden

Entscheidungsträger*innen hinter der Kamera, also Regie, Kostümdesign, die vier Screenwriter, Komponist, Cinematograph und Casting, ist asiatisch. Und dies stellt leider ein sehr allgemeines Problem Hollywoods dar: seit mehreren Jahren nun werden asiatische Kreativstimmen hinter der Kamera, besonders in Bezug auf Projekte, die sich um asiatische Erfahrung drehen, mit deutlich weniger geeigneten Nicht-Asiaten besetzt. So hat auch Adele Lim, Co-Drehbuchautorin der bekannten Filmreihe „Crazy Rich Asians“ erst im vergangenen Jahr die Produktion verlassen, als sie erfahren hat, dass sie signifikant weniger bezahlt wurde, als ihr nicht asiatischer männlicher Kollege, um nur ein Beispiel unter unzähligen zu nennen. In Betracht dieser Informationen lassen Niki Caros sich wiederholende Erklärungen, sie hätten sich alle besonders viel Mühe gegeben, Mulan so authentisch darzustellen, wie möglich, wie einen bösen Witz aussehen. Mulan 2020 hat bis auf das Cast ärgerlicherweise sehr wenig mit den asiatischen Talenten der Filmbranche zu tun.


Abgesehen vom falsch besetzten Produktionsteam, oder davon ausgehend, fallen Aspekte im Film auf, die sich auf den unwissenden Einfluss hinter der Kamera zurückführen lassen: so sprechen die Schauspieler*innen unterschiedlichste chinesisch-englische Akzente, Liu Yifei (Mulan) spricht den Akzent des Mainland, Donnie Yen Hong Kong Chinesisch, manche sprechen perfektes amerikanisches Englisch, andere täuschen einen chinesischen Akzent vor. Das ergibt sprachlich und geographisch keinen Sinn, wenn es sich um eine Truppe aus einer Region handeln soll.


Des Weiteren kreiert der kreative Teil des Produktionsteams eine eigene, fälschliche, orientalische Vision Chinas, was die westliche Projektion auf asiatische Kultur im Allgemeinen bekräftigt. Insbesondere der Produktionsdesigner Grant Major offenbarte in einem Interview, ihnen wurde sowohl von der Produktion, als auch von der chinesischen Regierung erklärt, dass das Märchen immer wieder und wieder erzählt wurde, und sie deswegen auf einen spezifischen Zeitrahmen der Städte verzichten sollten. Sie hätten das Design auf der Tang Dynastie Ära basiert, aber hätten sich nicht daran gehalten, erklärt Grant Major. Außerdem: es sei ein Disney Film, also sollte alles romantisiert und familienfreundlich wirken. Dies offenbart, dass die chinesische Regierung Disney nahegelegt hat, das antike China zu romantisieren. Deswegen werden ausschließlich die Han, die dominante Ethnie Chinas, welche heute beinahe 92% ausmachen, gezeigt, obwohl dieser Film eigentlich im Nordwesten Chinas spielt.

Diese gezielte Unterrepräsentation anderer Volksgruppen Chinas, was dem Produktionsteam nicht aufgefallen sein dürfte, geht einher mit der Sinisierung Chinas, also dem Vorhaben, die gesellschaftliche Kultur han-chinesisch zu formen, indem in anderen Regionen deren Kultur und Sprache ausgelöscht wird, ausgetauscht mit HanChinesen durch Migration oder "Umerziehungen". Das betrifft aktuell besonders die asiatischen Turkvölker, die Uiguren.


Sponsoren der Uiguren-Unterdrückung?

Asylanträge von Uiguren in Deutschland werden mit 96 % eine Genehmigung erhalten. Momentan leben 1.500 Uiguren in Deutschland, die Hälfte davon in München.

Xinjiang liegt im nordwestlichsten Gebiet Chinas, zwischen der autonomen Region Tibet und im Norden an der Landesgrenze zur Mongolei, Kyrgisien und Kasachstan im Westen. Eine Region, die sehr weit entfernt ist von Peking und so auch in ihrer Kultur, Sprache und Religion. Es ist allgemein bekannt, dass in dieser Provinz Xinjiang "Umerziehungslager" existieren, in die die muslimischen Uiguren gebracht werden, um sie zu indoktrinieren, zu foltern und Gehirnwäschen zu unterziehen. Die Zahl der Uiguren in Xinjiang wird auf 8 Millionen Uiguren geschätzt. Viele weitere sind geflohen, weshalb auch von einer Diaspora der Uiguren gesprochen wird. München gilt in Europa als die Stadt mit der größten uigurischen Gemeinde seit der Diaspora. Auch der WUC Weltkongress der Uiguren), eine Widerstandsgruppe der Uiguren gegen China, die in 18 Staaten weltweit vertreten ist, hat in München seinen Hauptsitz. Was hat das Ganze nun mit Mulan zu tun? Genau in dieser Provinz Xinjiang wurden etliche Szenen des Filmes gedreht und auch im Abspann wird den Behörden der Provinz gedankt.


Viele Kritiker*innen des Filmes sind der Auffassung, dass ein Kauf des Filmes zu einer indirekten Unterstützung der Unterdrückung der Uiguren führt. Auch dass Disney wohl Geld gezahlt hat an die Behörden der Provinz, um dort drehen zu dürfen, hätte einen finanziell unterstützenden Charakter. Dieser moralischen Frage folgend müssen viele weitere Unternehmen in Frage gestellt werden. Unter den Firmen, die in Xinjiang immer mehr neue Fabrikhallen aufbauen sind auch z.B. die deutschen Unternehmen VW, Puma, Daimler, Adidas, BMW, Bosch und Siemens. Diese Unternehmen profitieren gerade von der Zwangsarbeit der Uiguren. Wenn nun zum Absehen von einem Kauf des Filmes Mulan aufgerufen wird, sollte konsequenterweise dringend auch gegen den Kauf eines Adidas Schuhs oder eines BMWs aufgerufen werden. Die Frage, wo die moralischen Bedenken die käuferischen Eigeninteressen übertrumpfen, ist wohl eine Frage des eigenen moralischen Kompasses.


#BoycottMulan

Der moralische Kompass der Mulan Darstellerin und berühmten Schauspielerin, Liu Yifei, ist scheinbar nicht vorhanden. Ihre Aussagen vergangenen Jahres haben die Boykott Aufrufe erst ausgelöst. Liu Yifei postete gegen Ende 2019 folgendes auf einer Social Media Plattform: "Ich unterstütze die Polizei in Hong Kong, dafür könnt ihr mich ruhig zusammenschlagen. Was für eine Schande für Hong Kong". Dieser Kommentar richtet sich aggressiv gegen die Hong Kong Bewegung und die freie Rede im Allgemeinen. Liu Yifei ergreift nicht nur Partei für die Beamten, die die Bürger, die ihrer Regierung durch Protest zeigen wollen, was sie denken, willkürlich zusammenschlagen, sie bezeichnet die ganze Bewegung auch noch als „Schande".


Liu Yifei ist leider nicht die einzige Schauspielerin in Mulan 2020, die in dieser Weise Stellung nimmt: Donnie Yen, der wichtigste männliche Hauptdarsteller, hat nach dem neuen Sicherheitsgesetz in Hong Kong, nachdem jeder, der auf Verdacht hin etwas gegen die Regierung in Hong Kong sagt, ein Video macht, darüber schreibt oder auf Social Media postet, verhaftet werden darf. Unter fadenscheinigen Gründen werden die Menschen festgenommen und als „Terroristen“ bezeichnet. So hielten Leute in Hong Kong vor kurzer Zeit weiße leere Papierblätter hoch, um dem neuen Gesetz zu entgehen – aber wie zu erwarten wurden auch deswegen etliche verhaftet. Dieses Gesetz ist sehr gefährlich für die einzelnen Bürger*innen und den Demokratiegedanken. Während demonstrierende Bürger verhaftet werden, postet Donnie Yen einen Beitrag, indem er den Feiertag zelebriert, an dem Hong Kong vor 23 Jahren zu seinem „Mutterland“ China zurückkehrte, und dass er 2017 die Ehre hatte, mit dem berühmten Pianisten Lang Lang für Xi Jinping, den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und dessen Frau vorzuspielen. Damit impliziert er seine Unterstützung für dieses neue Gesetz, das so vielen Bewohner*innen in Hong Kong schadet.


Damit hat Mulan 2020 zwei Hauptdarsteller, die diesen Autoritarismus unterstützen und sich selbst zugleich als Unterstützer „Chinas“ inszenieren, wenn "China" in Wirklichkeit nicht allein die Regierung, sondern die Milliarden Chinesen meinen sollte.

Auch wenn sich in China immer die Frage stellt, ob Prominente, die ihre Meinung abgeben, tatsächlich aus freien Stücken reden oder von der chinesischen Regierung unterschwellig durch drohende Sanktionen dazu gedrängt werden, erscheinen diese Social Media Posts sehr freiwillig.


Die Regierung formulierte nach dem Boycott Aufruf einen Kommentar, in welchem auf der einen Seite die Bewegung #BoycottMulan verharmlost wurde und andererseits Liu Yifei als „echte Chinesin“ und die „echte Mulan Chinas“ gelobt wird. Mulan macht insgesamt einerseits den Eindruck eines von unwissenden, naiven, westlichen Entscheidungsträgern gemachten Films, die versuchen, ihre eigene Vorstellung von einem romantisierten China nachzuahmen und andererseits eines Produkts der Maschinerie der chinesischen Regierung, geprägt von antidemokratischen Hauptdarstellern, die zeitgleich ironischerweise die Helden Chinas porträtieren sollen.


Desto mehr stellt sich die Frage, wieso Disney einen Film finanziert, dessen diesjährige Interpretation und Meinungen der Besetzung so extrem gegen das freiheitliebende amerikanische Gedankengut verstößt, oder ob das amerikanische Produktionsteam einfach ihre Recherchearbeit unzureichend erledigt hat. Obwohl Disney einen 68% Anstieg an Disney+ Downloads Mulan zuschreibt, hat der mehr als 200 Millionen Dollar teure Disney-Blockbuster am ersten Wochenende nur 5,9 Millionen Dollar eingebracht. Dies klingt extrem verlustreich, manche Journalisten vermuten jedoch, dass Mulan ohne Corona ein Kino Erfolg geworden wäre.


Am Ende kann man mitnehmen, dass Hollywood noch sehr viel zu lernen hat, was Diversität anbelangt. In jedem Fall sollte man die Boycott Bewegung unterstützen und für die 2020 Produktion „Mulan“ keinen Cent ausgeben.

Ab dem 4. Dezember kann man Mulan auf Disney + umsonst anschauen. Stattdessen sollte man lieber eine Ausgabe der Original Ballade von Huan Mulan kaufen, ein sich lohnender Ersatz für dieses Elend einer Disney Produktion.