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Hörensagen – „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregman

Digitale Flüsterpost: Hörensagen ist unsere Reihe für kulturelle und mediale Geheimtipps von Studierenden für Studierende. Unter Hörensagen sprechen unsere Redakteur*innen und Autor*innen ihre (Recht)verblüffendsten Podcast-, Buch-, Film- und Video- Empfehlungen rund um das Thema Recht und Gerechtigkeit aus! Dieses Mal im Fokus: „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregman.


von Ricarda Schwarzbart


© Jolanda Zürcher


Anlässlich der in Aussicht stehenden Printausgabe „Utopie und Apokalypse“ lohnt sich der Blick in einschlägige Literatur zum Thema Utopien.


Das im Jahr 2017 erschiene Buch „Utopien für Realisten“ ist ein internationaler Bestseller und erklärt den Lesenden zu Beginn was Utopien eigentlich ausmachen und warum wir eine Beschäftigung mit diesen für den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt benötigen.

So argumentiert Bregman, dass viele fortschrittliche Errungenschaften zu Beginn ihrer Diskussion als „utopisch“ und „unrealistisch“ abgelehnt wurden. Letztendlich habe die Umsetzung solcher ehemaligen Utopien unsere Wohlstandsgesellschaft maßgeblich geprägt. Das verdeutlichen zum Beispiel das Frauenwahlrecht oder die 40-Stunden Woche.


Weiter führt Bregmann aus, dass es sich in unserer heutigen westlichen Gesellschaft, die trotz eines zuvor nie gekannten wirtschaftlichen Wohlstands, in verstärkter Weise unter Angststörungen, Depressionen und Burn-Out-Syndromen leidet, um so mehr lohnt in Utopien zu denken. Denn hierdurch könnten neue Inspirationen und Visionen für eine gesündere und nachhaltigere Zukunft gewonnen werden. Vor allem in Hinblick auf die wachsende Ungleichheit zwischen den westlichen Ländern und der Südhalbkugel erkennt Bregman eine Verpflichtung, sich den Utopien einer insgesamt gerechteren Welt anzunehmen, sodass ein weltweiter Wohlstand geschaffen wird.


Bregman beschäftigt sich in „Utopien für Realisten“ insbesondere mit dem bedingungslosen Grundeinkommen, der 15-Stunden Woche und der internationalen Öffnung von Grenzen. Hier klärt er detailliert über weit verbreitete Vorurteile auf, die beispielsweise nach wie vor über Armut bestehen.


Bregman ist Historiker und somit finden sich in diesem Buch viele spannende Erklärungen zu bereits stattgefundenen Experimenten und Studien, die zum Beispiel hinsichtlich des bedingungslosen Grundeinkommens bereits unternommen wurden.


Insgesamt zieht Bregman den Schluss, dass die derzeit bestehende Form des Kapitalismus die Probleme des 21. Jahrhunderts nicht lösen werde und es dafür um so wichtiger sei, dass sich jeder Einzelne gesellschaftspolitisch engagiere, um dem verbreiteten Rechtsruck in den westlichen Demokratien entgegenzutreten.


Hierzu lädt er in begeisternder Weise ein, sich mit Utopien zu beschäftigen. Ob diese am Ende tatsächlich von Realisten herangezogen werden können, bleibt der Leserschaft vorenthalten. Unabhängig davon ist das Buch sehr informativ und sprachlich gut zugänglich. Insgesamt macht Bregman Lust auf Utopien und Zukunftsvisionen, über die wir in der kommenden Printausgabe von „Rechtverblüffend“ noch mehr erfahren werden.