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imBilde: Brittney Griner

Illustrationen: Lea Donner




Der Basketball verliert vorerst eine seiner prägendsten Spielerinnen: Brittney Griner wurde von einem russischen Gericht wegen illegalen Drogenbesitzes verurteilt – zu neun Jahren Haft (und der Zahlung einer daneben vollkommen unerheblich scheinenden Geldsumme von einer Million Rubel, also etwa 16.000 Euro). Damit ist nun wirklich passiert, was sich seit Monaten angekündigt hatte, von Tag zu Tag wahrscheinlicher wurde – und dennoch vollkommen unvorstellbar schien.


Seit fünfeinhalb Monaten sitzt die Sportlerin in Untersuchungshaft. Bei einer Kontrolle ihres Gepäcks im Februar am Moskauer Flughafen Scheremetjewo soll sie Vape-Kartuschen und Cannabis-Öl bei sich gehabt haben. Gerade mal 0,5 Gramm Marihuana sollen es gewesen sein, illegal nach russischem Recht. Nun erfuhr sie die volle Härte der russischen Justiz: Obwohl Griner sich vor etwa einem Monat schuldig bekannt und Reue gezeigt hat, orientierte sich das Gericht stark an dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von neuneinhalb Jahren Haft. Nach westlichen Standards ein überzogenes, nach russischen ein gängiges Urteil. Dort wird eine rigorose Drogenpolitik verfolgt, die Verurteilungsquote liegt bei 99 Prozent.


US-Präsident Biden hat die Verurteilung scharf kritisiert und fordert nachdrücklich die Freilassung Brittney Griners. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt er: „Russland hält Brittney zu Unrecht fest. Das ist nicht hinnehmbar. Und ich fordere Russland auf, sie sofort freizulassen, damit sie bei ihrer Frau, ihren Angehörigen, Freunden und Teamkollegen sein kann.“ Biden versicherte, die US-Regierung versuche weiterhin alles, um Griner so schnell wie möglich sicher nach Hause zu bringen.


Die USA werfen Russland vor, der Prozess sei politisch motiviert und bemühen sich seit Monaten um die Befreiung der Sportlerin. Helfen könnte Griner nur noch ein Gefangenenaustausch. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen ist immerhin mit der Verurteilung gestiegen: Bislang hat Russland einem solchen nur nach einer Verurteilung zugestimmt.


US-Medien zufolge könnten Griner und der ebenfalls in Russland inhaftierte Paul Whelan gegen den Verurteilten im sogenannten Tiergarten-Mordfall sowie den in den USA inhaftierten russischen Waffenhändlers Viktor But ausgetauscht werden. Das Ersuchen wurde laut CNN unter anderem deshalb als problematisch eingestuft, weil der Erstgenannte in Deutschland im Gefängnis sitzt. Sollte ein solcher Gefangenenaustausch nicht klappen, muss Griner – unvorstellbar aber wahr – wohl tatsächlich neun Jahre ihres Lebens in einem russischen Gefängnis verbringen.


Brittney Griner ist eine Ausnahmeerscheinung: 2,06 Meter groß, muskulös, tiefe Stimme. Seit mehreren Jahren spielt sie bereits beim russischen Team UMMC Jekaterinburg. Mit dem Spitzenclub gewann sie viermal die Europaleague. Sie gilt als eine der besten Basketballerinnen in der amerikanischen Frauen-Profiliga WNBA.