Suche

imBilde: Oury Jalloh




Illustrationen: Lea Donner


Am 7. Januar 2005 ist Oury Jalloh gefesselt in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Heute, 17 Jahre später, sind die Todesumstände des aus Sierra Leone stammenden Asylbewerbers noch immer ungeklärt.


Der damals 36-jährige Oury Jalloh war aufgrund eines falschen Belästigungsverdachts festgenommen und an Händen und Füßen auf einer Matratze fixiert worden. Als er gefunden wurde, wies sein Körper schwere Verbrennungen auf. Wie er genau ums Leben kam, konnte bislang nicht geklärt werden – trotz zwei Gerichtsverfahren und mehrerer Gutachten.


Den damals zuständigen Polizisten zufolge habe Jalloh sich mit einem Feuerzeug selbst angezündet, während er gefesselt war. Daran gibt es erhebliche Zweifel: In einem 300-seitigen Bericht, der im Auftrag des Landtags Sachsen-Anhalt erstellt wurde, stellten zwei unabhängige Gutachter unter anderem rechtswidriges Verhalten der Polizei und Fehlinformationen von Regierungsmitarbeitern fest. Sie begutachteten die Maßnahmen der involvierten Polizisten und kamen zu dem Ergebnis, dass seit dem Moment seiner Festnahme bis zu seinem Tod so gut wie jede Jalloh gegenüber erfolgte Maßnahme fehlerhaft oder rechtswidrig gewesen sei. Im vergangenen Jahr rekonstruierten Brandexperten außerdem das Feuer in der Polizeizelle. Sie kamen zu dem Schluss, dass Oury Jalloh höchstwahrscheinlich mit einer brennbaren Flüssigkeit wie Benzin übergossen und angezündet wurde.

Seit Jahren wird gefordert, den Fall parlamentarisch aufzuarbeiten. Die aus CDU, SPD und FDP bestehende Landesregierung ist jedoch dagegen: Der Bericht zeige zwar das Fehlverhalten der beteiligten Beamten und den strukturellen Rassismus in der Polizei auf, lasse jedoch keine offenen Ermittlungsansätze zu Oury Jallohs Tod erkennen, heißt es.


Noch immer gehen die Menschen für Jalloh auf die Straße. An seinem Todestag führte der Protestzug der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh unter dem Motto „No justice, no peace – Wir fordern Aufklärung!“ quer durch die Stadt – laut Polizei waren etwa 1900 Menschen daran beteiligt.