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imBilde: Queen Elizabeth II.

Illustrationen: Lea Donner




Die britische Königin Elizabeth II. ist am 8. September im Alter von 96 Jahren verstorben. EinenTag zuvor hatte sie ihre Teilnahme an einer virtuellen Sitzung ihres Geheimrates absagen müssen, zwei Tage zuvor hatte sie dafür noch zuerst Boris Johnson empfangen, der sein Rücktrittsgesuch einreichte, und gleich darauf Liz Truss, die sie zur neuen Premierministerin ernannte. Entgegen der Tradition war das allerdings bereits nicht mehr im Buckingham-Palast, sondern auf Schloss Balmoral geschehen, das die Queen aus Gesundheitsgründen nicht für die Zeremonie verlassen

wollte.


Als Prinzessin leistete die Queen während des Krieges Militärdienst bei der britischen Armee. Dabei erhielt sie unter anderem eine Ausbildung als Lkw-Fahrerin und Pkw-Mechanikerin - das war bereits damals mehr als ungewöhnlich. Einen Führerschein hatte sie jedoch nicht. Dank einer Ausnahmegenehmigung brauchte sie den in Großbritannien auch nicht. Fast 75 Jahre fuhr die Queen daher ohne Führerschein.


Als sie zur Königin ernannt wurde, war sie erst 25 Jahre alt. Die Krönung wurde zum weltweiten Medienspektakel - sie war die erste Krönung überhaupt, die live im Fernsehen übertragen wurde. Ihr Nachfolger auf dem Thron ist Prinz Charles. Sieben Jahrzehnte hat die Queen regiert, im Juni 1952 wurde sie gekrönt. Damit war Elizabeth die dienstälteste britische Monarchin. Sie war nicht nur die Königin des Vereinigten Königreichs, sondern auch 14 weiterer sogenannter Commonwealth Realms: Kanada, Australien, Neuseeland, Papua Neuguinea, Jamaica, Bahamas, Belize, Grenada, Antigua und Barbuda, Salomonen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen und Tuvalu.


In Großbritannien tummeln sich nun Menschenmassen vor dem Buckingham-Palast, um der

Queen zu gedenken, viele weinen. Die Menschen danken ihr für ihre Dienste im Namen den

britischen Volkes, können sich ein Leben ohne sie teilweise nicht vorstellen.

Diese Reaktionen täuschen etwas darüber hinweg, dass nach dem Tod der britischen Königin weltweit nicht nur Trauer herrscht. Vor allem in den Sozialen Medien äußern sich User zum Teil sogar erfreut über ihren Tod - insgesamt waren die Reaktionen auf das Ableben der Monarchin also mehr als zwiegespalten. Es wird vor allem die Glorifizierung der Queen in den Medien kritisiert, während das koloniale Erbe der Monarchin, deren Tod Erinnerungen und Traumata wieder aufleben lässt, weniger Aufmerksamkeit erfährt. Das ist gerade in der Black Community ein großes Thema.


Die südafrikanische Oppositionspartei Economic Freedom Fighters (EFF) hat sich etwa folgendermaßen geäußert: „Wir trauern nicht um Elizabeth, denn für uns ist ihr Tod eine Erinnerung an eine sehr tragische Zeit in diesem Land und in der Geschichte Afrikas. Unsere Interaktion mit Großbritannien unter der Herrschaft der royalen Familie war geprägt von Schmerz, Tod und Enteignung sowie der Entmenschlichung des afrikanischen Volkes.

Der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer macht darauf aufmerksam, dass die Königsfamilie noch immer von den Errungenschaften des Kolonialismus profitieren - vor allem finanziell. Da gehe es um Werte von Millionen Euro aus Ausbeutung. Es sei dazu seit Jahrzehnten bekannt, dass in den Kronjuwelen Edelsteine aus kolonialen Raubzügen verarbeitet sind.


Der Professor am Arbeitsbereich Globalgeschichte der Universität Hamburg warf der

verstorbenen Monarchin außerdem vor, dass sie sich auch später "nie kritisch zum britischen

Kolonialismus geäußert" habe. Vor allem in Malaysia, Kenia und Ägypten habe die britische

Herrschaft koloniale Verbrechen begangen, erklärte der Experte für Kolonialgeschichte und fügte hinzu: "Das alles ist in ihrer Amtszeit passiert." Die Königin sei "entscheidend mitverantwortlich für die britische Politik" gewesen. Die Reaktionen unter führenden deutschen Politikern sind dagegen durchweg positiv ausgefallen. Annalena Baerbock hat etwa auf Twitter auf ihre Rolle nach dem Zweiten Weltkrieg hingewiesen: „Deutschland bleibt ihr ewig dankbar, dass sie uns nach dem Terror des Zweiten Weltkriegs die Hand zur Versöhnung gereicht hat."