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imBilde: Seenotrettung

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Dieser Slogan stammt von United4Rescue, einem Bündnis zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer. Er klingt so selbstverständlich, so menschlich und unverhandelbar. Die erschütternde Realität ist eine andere. Auch dieses Jahr sind bereits etliche Menschen auf der Flucht im Mittelmeerraum ertrunken. Menschen, die man hätte retten können. Stattdessen wird tatenlos zugesehen. Schlimmer noch: Diejenigen, die wirklich helfen, die Menschenleben retten, werden zu Kriminellen gemacht: Die Verhaftung der Kapitänin und Aktivistin Carola Rackete ging 2019 überall durch die Medien. In Italien ist das Verfahren gegen sie vor kurzem endlich eingestellt worden. Das ist aber nicht das Ende vom Lied. Seit März dieses Jahres wird gegen Aktivist*innen der Seenotrettungsorganisation Mediterranea Saving Humans wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt. Juristisch werden die Retter*innen zu Schleusern gemacht, um ihre Anklage und Verhaftung durchzuboxen. Diese Kriminalisierung von Menschen, die andere vor dem Ertrinken retten, ist der Skandal hinter dem eigentlichen Skandal.


Illustrationen: Lea Donner