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Ein Lichtblick: Das Jura-Studium in der Krise

Hohe Arbeitsbelastung, kaum persönliche Betreuung, veraltete Strukturen: Wer Jura studiert, kennt all diese Probleme. Doch welche Lösungen gibt es? Und liefert die Corona-Krise Antworten?


von Valentin Konstant


Ist das Jura-Studium endlich im digitalen Zeitalter angekommen? © Raban Sidon

Covid-19 hat Studierende und Universitäten hart getroffen: Geschlossene Bibliotheken, Vorlesungen, Tutorien und Seminare via Zoom. Hinzu kommt die vermehrte Nutzung von Podcasts und Moodle. Der gesamte Studienalltag ist auf den Kopf gestellt. Dabei steht das Jura-Studium nicht erst seit der Corona-Krise in der Kritik.

Neue Herausforderungen für Studenten und Unis

Seit Beginn des Sommersemesters findet an den Universitäten beinahe alles digital statt. Sowohl Schwerpunkt-, Haus- und Doktorarbeiten als auch einfaches Lernen müssen über digitale Ressourcen betrieben werden. Das stellt nicht nur die Universitäten vor Herausforderungen, sondern auch die Studierenden.

Schon vor der Corona-Krise wurde von Seiten der Studierenden oftmals kritisiert, dass Digitalangebote mehr als lästig und unnütz bezeichnet werden. Podcasts von Vorlesungen? Ein Ausnahmefall. Stattdessen sind viele Materialien online nicht abrufbar und das einzige, was hilft, ist ein Besuch in der Bibliothek. Außerdem: Manches Lehrpersonal ist zwar nach Veranstaltungen ansprechbar, Rückmeldungen via E-Mail sind aber eine Seltenheit.

Vieles davon hat sich nun durch die Corona-Krise geändert. Man könnte sagen, dass ein erzwungenes Umdenken stattgefunden hat. Ein großer Teil der Lehrenden ist auf Podcasts umgestiegen, um den Studierenden die Vorlesungen auch während des Lockdowns nahebringen zu können. Universitäten haben Online-Zugänge zu Datenbanken erweitert und ermöglicht, dass Studierende von zu Hause aus Zugriff haben. Skripte, Lehrbücher und Lösungen stehen in kürzester Zeit digital zur Verfügung.

Sogar mehrere LJPA (Landesjustizprüfungsamt) rechnen aufgrund der Coronakrise das Sommer-Semester nicht auf den Freischuss an. Ein Freischuss ist dort dementsprechend nach dem neunten beziehungsweise zehnten anstatt nach dem achten beziehungsweise neunten Semester möglich.

Aussichtsreich in die Zukunft

Doch wo kann und wo sollte sich das Studium hinbewegen? Das derzeit bereitgestellte Angebot ist eine große Chance: Podcasts und Online-Materialien steigern die Flexibilität. Studierende, die nebenher arbeiten, können sich Vorlesungen mittels Podcasts im Nachhinein anhören. Wichtige Probleme können nun auch von zu Hause aus nachgelesen werden, ohne dass dazu in die Uni gefahren werden muss.

So unbestritten wichtig es ist, den Präsenzbetrieb und den Zugang zu Bibliotheken baldmöglichst wieder aufzunehmen, so groß ist die Gefahr, dass Universitäten auf ihre Erfolge aus der Corona-Pandemie zu schnell wieder verzichten.

Es sollte in Zukunft Normalfall sein, dass Vorlesungen als Podcast aufgezeichnet werden. Wie das geht, zeigen einige Vorreiter schon seit langem. Es sollte Normalfall sein, dass man auf wichtige Materialien auch außerhalb der Bibliothek Zugriff hat. Diesbezüglich sind Skripte, umfassende Online-Bibliotheken und Protokolle, die ein digitales Studium ermöglichen, der richtige Weg in die Zukunft.

Es sollte auch Normalfall sein, dass ein Studium, welches im Durchschnitt circa elf Semester dauert, nicht mit dem Druck versehen wird, es in etwas mehr als acht zu beenden.

Den Fortschritt nicht verspielen

Grundsätzlich hat das Studium der Rechtswissenschaften also während des Lockdowns große Fortschritte gemacht. Es ist nun Aufgabe der Universitäten, diesen Fortschritt nicht wieder zu verspielen. Die Devise muss also lauten, digitale Kapazitäten beizubehalten und nicht vorschnell zurück in alte Denk- und Verhaltensmuster zu fallen.