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Schöne Bescherung! Warum wir wie besessen unnötigen Kram verschenken.

Das alljährliche Weihnachtsfest rückt immer näher und mit ihm die lang herbei ersehnte Bescherung. Grund genug, um diese Tradition mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Berge von Schokolade und Plätzchen, Geschenke noch und nöcher, das Schwelgen in Gaben und (Ge)-Nüssen: Ja, Weihnachten, das ist wahrlich die Zeit der Superlative.


von Alina Braunwarth, Elisabeth Tscharke und Noemí Harth


© Fabian Hassel


Es ist ausgesprochen bemerkenswert und sicher nicht nur den scharfsinnigsten Zeitgenossen unter uns aufgefallen, wie bereits Monate vor dem Fest die Konsummaschinerie geräuschvoll in Gang gebracht wird: Schaufenster werden mit Weihnachtssales geflutet, Adventskalender türmen sich in allen erdenkbaren Formen und Farben vor uns auf und bunte Leuchtreklame schreit uns die angesagtesten Geschenkideen ins Gesicht - wie wäre es zum Beispiel mit dem x-ten Paar Socken, dessen bekannter Markenname uns verheißungsvoll Glück verspricht?


Interessant ist auch, wie sich gewisse Trends auf das Weihnachtsgeschäft durchschlagen: Hoch im Kurs stehen etwa sämtliche Dinge, denen das Adjektiv „minimalistisch“ vorangestellt werden kann, wie ein flüchtiger Blick auf die Google-Suchergebnisse zeigt. Bei Mehrfachbestellung selbstverständlich mit Rabattcoupon.


Personalisiert soll es außerdem zugehen, logisch. Je individueller das Geschenk, desto besser. Wie das geht? Im Zweifel mit der guten alten Namensgravur aka Massenware mit dem gewissen Schliff Authentizität. Derlei originelle Angebote finden sich von Markenstrümpfen über Weingläser bis hin zu Postern mit den Geburtsorten der Beschenkten (“Tina und Tom - wo alles begann”?!) Am nützlichsten für unsere kleine Geschenkestudie aber sind die Onlineshops, bei denen man auf der Suche nach einem Präsent eine eigene Filterkategorie witzige Weihnachtsgeschenke durchforsten kann, ausweislich für Menschen, die schon alles haben. Tja, alles reicht halt nicht, hat noch nie gereicht. Der Reiz liegt ja gerade darin, für Jene das letzte Stücken Etwas, das sie noch nicht besitzen, aufzutreiben. Immer schön weiter konsumieren, lautet die Devise. In der Weihnachtszeit eben ganz besonders, um anderen eine Freude zu bereiten - oder vielleicht weil sich das eben so gehört?


Die durchschnittliche Pro-Kopf-Ausgabe für Weihnachtspräsente in Deutschland wird für dieses Jahr auf etwas mehr als 500 € geschätzt. Richtig gelesen, pro Kopf. Wenn ihr nun zu den Leuten gehört, die von sich behaupten können, deutlich unter diesem Schnitt zu liegen, habt ihr zumindest eine Vorstellung, wie die Kehrseite aussieht.


Lasst uns also kurz festhalten: Wir leben in einer Welt des materiellen Überflusses, in der unser an Masse orientiertes Konsumverhalten à la kaufen, obwohl wir nicht brauchen - gerade in der Weihnachtszeit - bekannterweise auf Kosten der Umwelt und unserer natürlichen Ressourcen geht. Dass dieser Konsum wiederum durch die Ausbeutung anderer Menschen ermöglicht wird, ist auch schon lange kein Geheimnis mehr. Ohh du fröhh - äh, ausbeuterische Weihnachtszeit.


Höchste Zeit, sich mal zu fragen: Warum liegt an Weihnachten ein derart großer Fokus auf dem Schenken? Wir wollen euch an dieser Stelle nicht mit den historischen Ursprüngen der Geschenketradition ermüden. Klar ist aber, dass die ständige Verfügbarkeit aller möglichen Güter und Produkte nicht immer so selbstverständlich war. Zudem bot sich längst nicht eine solche Vielfalt, wie wir sie heute im Netz und im Realen erleben. Weniger war eben nicht mehr, sondern weniger war das, was es gab. Geschenkt wurde aber schon immer - als Teil des sozialen Miteinanders und dem sogenannten Reziprozitätsprinzip folgend: Ich werde beschenkt, also schenke ich auch zurück, denn nur so werde ich als Konsument akzeptiert und dazugezählt.


Was ist aber jetzt die Lösung? Das „geht’s vielleicht auch anders?“ sparen wir uns an dieser Stelle, schließlich kennt ihr bereits die Antwort: kauft weniger und vor allem kein unnötiges Zeug! Dennoch können wir nicht abstreiten, dass auch wir zu den Konsumenten dazu gehören wollen, eben um im sozialen Strom mitzuschwimmen. Aber geht das vielleicht auch ein bisschen bewusster? Achtsamer? Nachhaltiger? Prägend sollte jedenfalls immer die Idee hinter dem Geschenk sein: Schenken, nicht um des Vermehrens, sondern des Behaltens wegen. Wieso genau macht dieses Geschenk die Beschenkte/den Beschenkten glücklich? Hält es sie glücklich?


Am Ende des Tages bleibt Weihnachten ein Fest der Dankbarkeit und Freude... Glauben wir André Gide (1869-1951), dem französischen Nobelpreisträger für Literatur, dann „liegt das Geheimnis des Glücks nicht im Besitz, sondern im Geben“. Geben kann man aber auch eine Fülle von immateriellen Dingen. Darum schenkt den Liebsten doch einfach mal eure Zeit, ungeteilte Aufmerksamkeit, Berührungen sowie Worte der Wertschätzung und des Respekts; Glückseligkeit garantiert - nicht nur in der Weihnachtszeit.